Etwa 18 Stunden nach Süden ist man mit dem Bus unterwegs, um dieses Ziel zu erreichen: den Golf von Neapel. Wenn man diese so unglaublich dicht besiedelte Stadt auf der Autobahn durchquert hat, die Straßen Richtung Sorrent mit jedem Kilometer enger und kurvenreicher und die Ausblicke spektakulärer werden, dann weiß man, wofür man die Strapazen auf sich genommen hat. Neapel, Sorrent, Capri, Paestum – diese Gegend kondensiert auf engem Raum ein unwiderstehliches Gemisch aus Geschichte und Gegenwart. Auch heuer wieder folgte das Robert-Schuman-Gymnasium der Tradition, eine Abschlussfahrt in diese Gegend anzubieten. Die Lehrkräfte Verena Ulrich und Wolfram Steininger begleiteten 20 Schülerinnen und Schüler und wurden vor Ort durch den charismatischen und erfahrenen „guida“ Gaetano unterstützt, zu dem inzwischen schon eine Freundschaft erwachsen ist.

Das erste Ziel war der Vesuv. Der Aufstieg wurde mit einem Blick in den mächtigen Krater belohnt, freie Sicht auf Neapel und das Umland war aber nur ganz kurz gewährt, bevor Wolken den Blick verwehrten. Am Nachmittag wurde das antike Herculaneum besucht, das beim Vesuvausbruch 79 n. Chr. unter einer bis zu 25 Meter dicken vulkanischen Schicht begraben wurde, die die Gebäude so gut konservierte, dass noch heute in vielen Häusern originale antike Holzkonstruktionen zu bestaunen sind. Gegen Ende des Rundgangs stand man unvermittelt vor einer Unzahl von Skeletten, die dem Betrachter auch heute noch – etwa 2000 Jahre nach der Naturkatastrophe – den Schauer über den Rücken laufen lassen.

Das Ausflugsziel des nächsten Tages war die Insel Capri, auf der sich in der Marina grande zeitweise Touristen aus aller Welt förmlich auf den Füßen stehen. Doch mit Gaetanos Hilfe konnte man dieses Gewimmel schnell hinter sich lassen und auf einer Bootsfahrt schäumende Gischt und ein unvergessliches Farbenspiel aller denkbaren Grün- und Blautöne genießen. Nach der Rückkehr in den überfüllten Hafen und einer abenteuerlichen Busfahrt nach Anacapri durften die Schüler die Atmosphäre in der Villa San Michele atmen: Der schwedische Arzt Axel Munthe hatte als Liebhaber der Antike auf einer römischen Villa einen lichtdurchfluteten Bau errichten lassen, in dem er wertvolle Originale und Repliken versammelte und einen herrlichen Garten anlegen ließ. Anschließend schlenderten die Schüler durch die malerischen Gassen, in denen sich Luxusboutique an Luxusboutique reiht. Von den Gärten des Augustus aus hatten sie einen traumhaften Blick auf das berühmte Postkartenmotiv der Insel: die Faraglioni-Felsen. Am Strand konnte man sich nach all dem Trubel etwas entspannen und abkühlen, bevor es mit dem Schnellboot zurück nach Sorrent ging.

Im Nationalmuseum von Neapel konnten die Studienreisenden am nächsten Tag viele weltberühmte Skulpturen und Mosaiken, die man bisher nur von Abbildungen kannte, im Original erleben. Mit Cumae besuchten sie anschließend einen mythologisch aufgeladenen Ort: Von dieser Siedlung griechischer Kolonisten aus wurde später Neapel gegründet und hier erhielt man von der berühmten Sibylle Prophezeiungen. Da bei einem tragischen Unfall im letzten Jahr drei italienische Touristen gestorben waren, war die Solfatara, die traditionell auch auf dem Programm des RSG steht, momentan noch geschlossen und so entschied man sich für ein besonderes Ziel, das nicht weit entfernt und doch weitgehend unbemerkt vom Massentourismus liegt: die Piscina mirabilis. Dieser Bau, der im Inneren fast einer gotischen Kathedrale ähnelt, diente im antiken Misenum als Trinkwasserspeicher und wirkt heute durch die Ästhetik von Farbe und Licht. Von hier aus ging es zum Amphitheater von Pozzuoli, dem drittgrößten Amphitheater in Italien, bei dem v.a. die technischen Anlagen und Konstruktionen unterhalb der eigentlichen Arena unvergleichlich gut erhalten sind.

Der nächste Tag führte die Reisegruppe noch etwa 100 Kilometer weiter nach Süden: Paestum, das ursprünglich griechische Poseidonia wurde angesteuert. Die Schumanisten zeigten sich von dem fantastischen Erhaltungszustand der drei dorischen Tempel so tief beeindruckt, dass einige sogar überlegten, die Mittagspause freiwillig auf dem heißen Ausgrabungsgelände zu verbringen. Selbstverständlich wurde auch das kleine Museum besucht. Denn wer könnte Paestum verlassen, ohne das unvergleichliche Grab des Tauchers im Original gesehen zu haben? Den späten Nachmittag dann verbrachte die Gruppe am scheinbar endlosen Sandstrand unweit der Tempel – die griechischen Siedler hatten sich ein wahrhaft schönes Stückchen Erde ausgesucht.

Nach diesem Tag stand am nächsten Vormittag ein gemütlicher Einkaufsbummel in den malerischen Gassen Sorrents auf dem Programm, bei dem die Schülerinnen und Schüler sich teils mit materiellen Erinnerungen an die erlebnisreichen Tage eindeckten. Wichtiger sind aber sicher die immateriellen Bilder, die sich in ihrer Seele eingeprägt haben und die sie auf ihrer letzten Etappe auf dem Weg zum Abitur begleiten werden – und weit darüber hinaus.