Um es den künftigen Absolventen des Robert-Schuman-Gymnasiums in Cham zu ermöglichen, während der Schulzeit einen fundierten Einblick in den angelsächsischen Raum zu bekommen, wurde auch heuer wieder eine Studienreise nach Dublin organisiert. 

So war die Aufbruchsstimmung bei der Abreise eine Mischung aus Vorfreude und Nervosität, war es doch für manche Schüler der erste Flug. Ohne größere Turbulenzen landeten die Schumanisten in Dublin und machten sich dort auf die Suche nach dem Hostel, welches sich zur allgemeinen Begeisterung wirklich absolut zentral mitten im Ausgehviertel, direkt neben der altehrwürdigen Temple Bar, befand, was abends natürlich ein enormer Vorteil war. Weniger begeistert zeigten sich die Schüler, dass es wirklich keine Möglichkeit für sie gab, an den begleitenden Lehrern Stefan Amberger und Sandra Wagner vorbei vielleicht doch zu einem Guinness zu kommen, denn in den irischen Pubs gibt es strenge Ausweiskontrollen. Wer jünger als 25 aussieht, musste seinen Ausweis vorlegen, der Zutritt war erst ab 21 Jahren gestattet.  Vor dieser Ablenkung sicher konnten die Schumanisten das Programm der Studienfahrt also in vollen Zügen genießen.

Book of Kells im Trinity College

Am ersten Tag erhielten die Schüler eine Stadtführung und waren vor allem vom Trinity College begeistert. Das darin befindliche Book of Kells gehörte natürlich ebenso zum Programm wie die großen Bibliothekssäle mit den Unmengen an alten Ausgaben.  Danach ging es mit dem Stadtbus hinaus in die benachbarte Hafenstadt Dun Laoghaire. Dort konnte man den James Joyce Tower erkunden oder einfach das Flair der irischen Hafenstadt genießen.

Der zweite Tag war für alle in vielerlei Hinsicht sehr beeindruckend. Früh am Morgen ging es nach Belfast in Nordirland, dort erhielten die Schüler Einblicke in den Nordirlandkonflikt. Mit Taxis, sogenannten Black Cabs, wurden die Schüler zu den Schauplätzen der Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten geführt und mussten feststellen, dass die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen noch unvorstellbar hoch sind. Sehr irritierend war es, zu den sogenannten Murals (mit Graffiti besprühte Mauern oder Hauswände) gefahren zu werden, welche ihren Ursprung im Jahre 1908 hatten und auf welchen sowohl die Protestanten als auch die Katholiken nach wie vor ihre jeweiligen Aktivisten wie Märtyrer und Helden verehren.  So werden die protestantischen Arbeiterviertel um 20.00 Uhr tatsächlich von denen der Katholiken abgeriegelt, dazwischen an der Grenze wurden hohe Mauern errichtet, die aber, anders als in Berlin, keine ungewollte Absperrung sind, sondern vielmehr nötig zur Stabilisierung des Friedens. 

Relikte des Nordirlandkonflikts das Mural von Bobby Sands, einem „Märtyrer“ der IRA

Mural der Protestanten

Symbolisch für das Friedensabkommen steht die sogenannte Peace Wall, auf der bedeutende Politiker unterzeichnet haben und welche auch die Schüler des RSG signieren durften. Auf die Frage, ob die jüngeren Generationen nicht genug hätten von diesen Auseinandersetzungen, antwortete der Taxifahrer, dass es zwar von der Regierung geförderte integrative Projekte gäbe wie beispielsweise Studentenwohnheime, in denen sowohl Katholiken als auch Protestanten Tür an Tür wohnten, es aber wohl noch ein paar Generationen dauere, bis die Ablehnung aus den Köpfen verschwindet.   

Schülerin beim Signieren der Peace Wall

Etwas verstört und besorgt fuhr man weiter zum Dunluce Castle, einer schaurigen Burgruine an der Küste, welche ein Schauplatz der Serie „Game of Thrones“ ist. 

Der Giant’s Causeway, der Küstenabschnitt, der für seine sechseckigen Gesteinsformationen berühmt ist, war ein weiteres Highlight des Tages. Beim Hinabsteigen der Treppen hinunter zum Meer war der irische Wind jedoch derart heftig, dass man aufpassen musste, nicht „vom Winde verweht“ zu werden. Am Meer bewunderten die Schüler ehrfürchtig das Zusammenspiel von Wind und Wellen, angesichts dessen sich der Mensch sehr klein und unbedeutend vorkommt.

Beeindruckende Naturgewalten am Giant’s Causeway

Am darauffolgenden Morgen besuchte man Kilmainham Goal, ein berühmtes irisches Gefängnis, welches wiederum eng mit der irischen Geschichte verknüpft ist. Am Nachmittag ging es literarisch weiter, die Schüler erkundeten das Dublin Writers‘ Museum mit Originalhandschriften von Oscar Wilde oder Samuel Beckett. Im James Joyce Centre versuchte man Installationen zu James Joyces Ulysses zu verstehen. 

Und schließlich musste natürlich noch eine ausgiebige Klippenwanderung sein. Als Ort hierfür wählte man Howth und bei ausnahmsweise richtig schönem irischen Sonnenschein marschierten die RSGler an der Steilküste entlang, wo sich schöne Ausblicke ergaben. 

Klippenwanderung in Howth

Am Abend schließlich gab es dann doch eine legale Möglichkeit, Pubs von innen zu sehen, nämlich beim „Literary Pub Crawl“, einer literarischen Kneipentour, bei der Schauspieler in den Pubs kurze Auszüge aus literarischen Werken spielten. Überraschend war, dass es letzten Endes doch irgendwie immer ums Guinness ging, die Kneipenkultur in Irland somit ein wesentlicher Bestandteil der Identität ist. 

Am letzten Tag, bevor die Heimreise anstand, gab es noch die Möglichkeit, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden und die nötigen Souvenirs zu kaufen. Einige Schüler entschlossen sich, im Kleinen Gutes zu tun und beschenkten einige der vielen, zum Teil sehr jungen Obdachlosen in Dublin mit Getränken oder Essen. 

Zurück in Cham erwartete die Schumanisten wiederum irisches Wetter, aber das konnte nun wirklich niemandem mehr etwas anhaben.