„Unser Vater und König, öffne uns die Himmelspforte für unser Gebet und empfange unser Gebet mit Gnade und Wohlwollen.“ Diese Inschrift in hebräischer Schrift umrahmt den Toraschrein der neuen Synagoge in Regensburg, die am 27. Februar 2019 feierlich eröffnet wurde. Die Schülerinnen und Schüler der neunten Jahrgangsstufe des Robert-Schuman-Gymnasiums in Cham hatten Gelegenheit, den modernen Bau, der sich mit seiner hellen Klinkerstein-Fassade in das Stadtbild einfügt, von innen zu erleben und dabei dem Rabbiner Josef Chaim Bloch Fragen zu stellen.

Dieser ging zunächst auf die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Regensburg ein, der derzeit ca. 1000 Mitglieder, vorwiegend aus den ehemaligen Sowjetgebieten, angehören. Die letzte Synagoge wurde im Jahre 1912 eingeweiht, fiel aber den Brandanschlägen in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 zum Opfer. Nachdem in den vergangenen Jahrzehnten ein kleiner Raum als Synagoge genutzt wurde, machte die wachsende Zahl der Gemeindemitglieder einen Neubau notwendig. Dass das Baukonzept erstrebt einen Ausgleich zwischen einem offenen Haus einerseits und den notwendigen Sicherheitsmaßnahmen andererseits, hatten die Schülerinnen und Schüler bereits erfahren, als sie am Eingang die Sicherheitsschleuse passierten. Die Synagoge befindet sich im ersten Stock des Gebäudes und ist mit ihrem freischwebenden Holzgewölbe so konzipiert, dass Licht aus allen Himmelsrichtungen in den Raum gelangen kann.

Rabbiner Bloch berichtete darüber, wie die 613 Gebote des Alten Testaments das Leben der gläubigen Juden prägen. Diese umfassen z. B. koschere Speisen und das regelmäßige Gebet. Auch der Umweltschutz sei in der Tora inhaltlich bereits verankert. Den Synagogenraum ziert ein großer moderner Chanukka-Leuchter des Regensburger Künstlers Oleg Kuzenko, den Bloch zum Anlass nahm, die Hintergründe des bevorstehenden Chanukka-Festes näher zu erläutern. Unterschiede in den Auffassungen des orthodoxen Rabbiners und der Besucher zeichneten sich hinsichtlich des Verhältnisses von Glaube und Naturwissenschaft ab.

Bloch betonte die seit vielen Jahren verständnisvolle Zusammenarbeit der jüdischen Gemeinde mit der katholischen Diözese Regensburg, die auf einem brüderlichen Verhältnis basiere. Angesprochen auf mögliche Erfahrungen mit Antisemitismus setzte der Rabbiner ein Gegengewicht durch eine Erzählung. Als der Anschlag von Halle nur kurze Zeit zurücklag, habe ihn auf der Straße ein Passant angesprochen und gesagt: „Wir freuen uns, dass Sie hier leben.“