„Celebrant isti Romani! – Die feiern die Römer!“ Dieses leicht abgewandelte Zitat des berühmten Comic-Helden Obelix deutet die große Leidenschaft der Römer für das Feiern an, was auch die einstmals vielen Festtage im römischen Jahreskreis belegen. Was liegt da für die Schulfamilie des Robert-Schuman-Gymnasiums in Cham näher als es in guter humanistischer Tradition den alten Römern gleichzutun? So wartet in der Tat der Festjahreskalender des Gymnasiums mit vielen Aktionen auf, da das RSG in diesem Jahr sein fünfzigjähriges Bestehen feiert.

Das erste Glanzlicht in der Reihe der Festjahresaktivitäten hat dabei der humanistische Zweig gesetzt. Mit großem Engagement und viel Liebe zum Detail hat das P-Seminar Latein unter der Leitung von Studienrat Wolfram Steininger ein großes Römerfest organisiert, das nach monatelangen Vorbereitungen am Samstag und Sonntag des letzten Septemberwochenendes auf dem Areal der Wasserwirtschaft stattfand.

Das P-Seminar hatte mit der freundlichen Hilfe vieler weiterer Schülerinnen und Schüler und befreundeter Römergruppen die Wasserwirtschaft in einen römischen Marktplatz verwandelt, auf dem sich den zahlreichen Besuchern ein buntes und vielfältiges Programm bot. Auch das gute Wetter war wohl in guter römischer Tradition bestellt, denn bereits nach der Begrüßung durch die Seminaristen Anna Neft und Luca Cerweny führte die Römergruppe „Raetici Romani“ eine Weihezeremonie um den Segen der Götter durch, die sie am nächsten Tag und auch jeweils am Abend wiederholte und dadurch wohl die Gunst des Göttervaters und Wettergottes Jupiter erwirkte.

Exaudi me! Erhöre mich! – Capite velato (mit verhülltem Haupt) führen die „Raetici Romani“ ein Opfer durch.

Die Mitglieder des gleichnamigen Vereins waren gerne der Einladung der Schumanisten gefolgt, um am Regenbogen ihr Lager aufzuschlagen und den interessierten Chamern tiefe Einblicke in das militärische, aber auch zivile Leben der damaligen Zeit zu gewähren.

Die Heeresschau der „Raetici Romani“ mit viel Sachwissen und Humor!

Das trägt die römische Braut – Sachtipps für die schicke Römerin

Ebenso hatte sich die Legionärsgruppe „Monumentum Vividum“ aus Regensburg über den nassen Limes ins Chamer Barbaricum vorgewagt. Auch sie entführten die Zuschauer in die Antike und ließen das Leben der römischen Soldaten vor deren Augen lebendig werden. Der eine oder andere Gast hatte sogar die Möglichkeit, ein römisches Schwert in die Hand zu nehmen und sich so ganz als römischer Legionär zu fühlen.

Auch konnten die Gäste selbst kriegerisches Geschick beweisen, wenn sie sich am Stand der Rosenholzschützen Unterlintach am „Glücksschuss“ versuchten und dabei (mit etwas Hilfe des Gottes Apollo) ins Schwarze trafen. Zudem referierte Gerhard Reinwald über die Geschichte des Bogenschießens.

Das Ziel fest im Blick – Gerhard Reinwald lehrt den richtigen Umgang mit Pfeil und Bogen.

Doch bestand das Leben der Römer natürlich nicht nur aus Kampf und Krieg! Das zeigten die ebenfalls eingeladenen Handwerker von „Linea antiqua“, die die antiken Handwerkstechniken zum Leben erweckten und z.B. durch ihre eigens konstruierte Drechselmaschine bewiesen, auf welch hohem Niveau die antiken Kollegen bereits gearbeitet hatten. Natürlich durften auch die Gäste selbst Hand anlegen und die Gerätschaften ausprobieren, um sich ein kleines Andenken wie etwa Holzringe zu fertigen. Auch hatte die Gruppe „Monumentum Vividum“ ihre Feldschmiede mitgebracht und führte Techniken antiker Schmiedekunst vor.

Schmieden wie die alten Römer – Martin Schreiner von „Monumentum Vividum“ führte das Publikum in die Geheimnisse der römischen Schmiedekunst ein.

Auf dem Forum an der Wasserwirtschaft bot zudem die Schulfamilie des RSG den Gästen weitere Möglichkeiten, sich handwerklich zu versuchen: So konnten etwa Schreibtafeln nach römischem Vorbild hergestellt werden. Nach dem Bau des Rahmens und dem Ausgießen mit Wachs stand dem Gravieren eines Briefes nichts mehr im Wege. Selbstverständlich konnte der Brief auch mit Feder auf Papyrus verfasst werden. Bei beiden Varianten aber erfuhren die großen und kleinen Gäste, wie mühsam das literarische Wirken in der Antike war.

Daneben konnte man das in der Antike sehr beliebte Spiel „Rundmühle“ selbst basteln, um dann mit einem Spielpartner nach Lust und Laune zu zocken. Für künstlerisch Interessierte boten Schülerinnen und Schüler einen Kurs in Mosaik-Gestaltung oder Specksteinschnitzen an und standen so bei der Entstehung vieler begeisternder Kunstwerke Pate.

Was wäre aber ein römischer Markt ohne die typisch römischen Geschäfte? So wurde mehrmals eine Sklavenauktion abgehalten, wo sich der zahlungskräftige Käufer für kurze Zeit die Dienste eines treuen Sklaven sichern konnte, um sich etwa bei den Einkäufen helfen zu lassen oder sich das Essen besorgen zu lassen. Die Sklavinnen und Sklaven waren von erstklassiger Qualität und so überboten sich die Käufer mit großem Eifer gegenseitig und ersteigerten so die begehrte Ware zu hohen Preisen.  

Servi sunt! – Sie sind Sklaven, aber zu Bestpreisen!

In kulinarischer Hinsicht hatte das Organisationsteam für alles gesorgt. Die Gäste konnten sich in guter römischer Tradition mit köstlichen römischen Gerichten wie Römertopf und Fladen verwöhnen lassen.

Alle Hände voll zu tun – das Organisationsteam versorgt die Gäste kulinarisch.

Währenddessen sorgte das bunte Treiben auf dem Chamer Forum für beste Unterhaltung, denn zum einen erklärten die „Raetici Romani“ bei einer Moden- und Soldatenschau sachkundig, was die Römerinnen und Römer der verschiedenen Epochen an Kleidung und Bewaffnung getragen hatten, zum anderen persiflierten die Schumanisten unter der Moderation von „Heidi Klumpfuß“ in einer farbenfrohen Modenschau mit viel „drama“, was die modebewussten Römerinnen und Römer in diesem Herbst tragen würden. Ebenso sorgten atemberaubende Akrobatikeinlagen für Abwechslung und auch die Theatergruppen des RSG führten witzige kleine Stücke auf, wobei sie historische Ereignisse wie etwa die Ermordung Caesars kreativ neu erzählten oder aber den Ursprung des trojanischen Krieges, der ja aus einem Schönheitswettbewerb der Göttinnen Juno, Minerva und Venus hervorging, geistreich auf die Bühne brachten.

 

Caesar – einfach nicht tot zu kriegen!?

Ein trojanisches Pferd in der Chamer Wasserwirtschaft – ein neues Wahrzeichen für Cham?

In jedem Fall wird das großartige Spektakel, das Wolfram Steininger mit den Schülerinnen und Schülern des P-Seminars Latein organisiert hat, den Besuchern noch lange im Gedächtnis bleiben, sei es durch die großartigen Eindrücke des Festes oder durch die beeindruckende Größe des trojanischen Pferdes, das das P-Seminar in Zusammenarbeit mit Andreas Dünne eigens für dieses Fest gebaut hatte und nun dauerhaft das Bild der Wasserwirtschaft bereichern wird – zur immerwährenden Erinnerung an ein herausragendes Event und als Beweis für die Energie, die sich im engagierten Zusammenspiel bereitwilliger Kräfte ohne großen finanziellen Aufwand entfalten lässt. „Gratias vobis agimus! – Danke!“