Die Aktion „Meet a jew“ ermöglicht, das aktuelle jüdische Leben in Deutschland aus erster Hand kennenzulernen. Im Vordergrund steht weniger die Vermittlung von Wissen, sondern der lebendige Austausch auf Augenhöhe.

Unter diesem Motto hatten die 9. Klassen des Robert-Schuman-Gymnasiums kürzlich Besuch von Amy Weinstein und Manfred Sturz. Die beiden Teilnehmenden am Projekt „Meet a jew“ beantworteten Fragen der Schülerinnen und Schüler zu ihrem Alltag in ungezwungener Gesprächsatmosphäre.

Zu Beginn zeigten Amy Weinstein und Manfred Sturz wie in jüdischen Familien der Sabbat begonnen wird: mit dem Entzünden der Kerzen und einem Segensgebet. Anschließend luden die beiden die Jugendlichen ein, Fragen auf Zettel zu notieren. Diese wurden dann der Reihe nach gezogen und beantwortet. So konnte jeder anonym fragen, was ihr oder ihm auf dem Herzen lag. „Es ist alles erlaubt!“, ermutigte Manfred Sturz die Schülerinnen und Schüler und Amy Weinstein ergänzte: „Wenn die Frage zu privat ist, dann beantworten wir sie vielleicht nicht, aber das kommt selten vor.“

Vor der Fragerunde stellten sich die beiden Gäste kurz vor. Amy Weinstein stammt aus den USA, wohnt aber seit 18 Jahren in Cham. Ihre Familie war nach der Reichspogromnacht 1938 über Kuba in die USA geflüchtet. Amys Lebensweg führte wieder zurück nach Deutschland. Sie gehört zur jüdischen Gemeinde in Amberg, fährt aber, der Nähe wegen, in die Synagoge nach Straubing. Oft nimmt sie auch an Online-Gottesdiensten ihrer alten Gemeinde in den USA teil.

Manfred Sturz stammt aus Katzbach, wuchs in einer katholischen Familie auf und erfuhr erst mit 18 Jahren, dass er jüdischer Abstammung ist, weil sein leiblicher Vater Jude war. Doch ein jüdischer Vater reicht noch nicht aus, um zum Judentum zu gehören, nur eine jüdische Mutter. So musste Manfred Sturz eine dreijährige Lehrzeit bei einem Rabbiner auf sich nehmen, um zum Judentum zu konvertieren. Am Ende entscheidet eine Art Gericht, ob der Bewerber reif ist, dem Judentum beizutreten. Der Beitritt geschieht durch dreimaliges Untertauchen in der Mikwe, dem rituellen Bad in der Synagoge.

Die Schülerinnen und Schüler interessierte unter anderem, wie jüdische Menschen das Datum notieren, da der jüdische Kalender sich ja vom christlichen unterscheidet. Manfred Sturz antwortete, dass die Feste und Feiertag nach dem jüdischen, die alltäglichen Termine aber nach dem gregorianischen Kalender notiert werden. Auch in Israel werde dies so gehandhabt.

Weiter wollten die Schülerinnen und Schüler wissen, ob die Ge- und Verbote der jüdischen Religion den Alltag beinträchtigen und ob z.B. Geburtstag feiern am Sabbat erlaubt sei. Amy Weinstein fühlt sich von den Geboten nicht beeinträchtigt. Feste und Feiertage sind für sie wichtig. Vor allem das Chanukka-Fest mit den vielen Geschenken war für sie als Kind und ist auch jetzt noch ein schönes Erlebnis. Was das Feiern des Geburtstages angeht, so unterscheiden sich hier liberale von orthodoxen Juden. Letztere halten sich strenger an das Ruhegebot am Sabbat und würden eher nicht feiern bzw. alles vorbereiten, damit keine Arbeit mit der Feier verbunden ist.

Eine andere Frage war, wie es den Kindern in der Schule geht, wenn die Mitschüler*innen wissen, dass sie Juden sind. In den USA sei das nichts besonderes gewesen, sagte Amy Weinstein. Hier in Deutschland erlebe sie und ihr Kinder immer wieder, dass Angehörige des Judentums als etwas „Exotisches“ betrachtet werden. Manfred Sturz berichtete, dass seine Tochter leider erst kürzlich auf dem Schulhof mit antisemitischen Äußerungen konfrontiert wurde. Auch in den sozialen Medien käme dies immer wieder vor.

Daher haben sich die beiden der Aufklärung verschrieben und wollen mit ihrem Mitwirken bei „Meet a jew“ deutlich machen, dass Jüdinnen und Juden ganz normale Menschen sind, die für Toleranz und Vielfalt eintreten. Dies entzieht dem Antisemitismus hoffentlich den Nährboden.

Die Religionslehrer Wolfram Schiedermeier und Markus Hartl bedankten sich bei Amy Weinstein und Manfred Sturz mit einem kleinen Präsent für den Besuch, der ein wichtiger Beitrag gegen Rassismus und für Courage darstellt, wofür auch das Robert-Schuman-Gymnasium steht.