Unter diesem Motto stand eine Doppelstunde Wirtschaft und Recht, die Schülerinnen und Schüler der vier Q12-Oberstufenkurse am Robert-Schuman-Gymnasium vor kurzem erleben durften. Herr Reinhard Pfaffel, der Leiter der Bundesbankfiliale Regensburg, legte den Schülern die Grundzüge der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) dar. In seinem sehr kurzweiligen und mit zahlreichen aktuellen Beispielen angereicherten Vortrag stellte er zunächst die Zielvorstellung der Geldpolitik im Euroraum heraus.

Vorrangiges Ziel der EZB ist die Preisniveaustabilität – oder im geldpolitischen Jargon ausgedrückt: eine Inflationsrate bzw. ein harmonisierter Verbraucherpreisindex – nahe bei unter 2 %. Davon ist die Inflationsrate im Euroraum derzeit noch deutlich entfernt. Wichtig dabei ist, dass nur tatsächlich nur die Entwicklung der Verbraucherpreise im Durchschnitt der Eurostaaten betrachtet wird und eben nicht auch die Entwicklung der Vermögenspreise, also der Preise für Immobilien, Aktien oder Gold. Mario Draghi, der Präsident der EZB, wird nicht müde, das Schreckgespenst einer Deflation herauf zu beschwören und begründet damit die expansive Geldpolitik der EZB, angefangen von einer Nullzinspolitik bis hin zu ganz unkonventionellen Maßnahmen, wie dem Aufkaufprogramm von Staatsanleihen. Dieses Programm hat derzeit ein Volumen von 2,6 Billionen Euro und soll mindestens bis Ende 2018 laufen. Juristisch nicht ganz unumstritten ist der Ankauf nur erlaubt, wenn er am sogenannten Sekundärmarkt, also nicht von den Staaten direkt, erfolgt.

Kompetent und engagiert – Referent Reinhard Pfaffel

Im Gegensatz zur Sichtweise der EZB ist die Bundesbank der Meinung, dass die derzeitig niedrigen Inflationsraten nicht gefährlich seien. Dafür spricht auch eine Kerninflationsrate, die sich konstant um 1 % bewegt. Die Verbraucher freuen sich z.B. über niedrige Benzin- und Heizölpreise und geben das Ersparte für andere Konsumzwecke aus. Damit sind die niedrigen Energiepreise nichts anderes als ein riesiges Konjunkturprogramm für die Wirtschaft in den Eurostaaten. Dies alles rechtfertigt zwar eine expansive Geldpolitik, doch sind alle weiteren Krisenmaßnahmen wie z.B. das Anleihenaufkaufprogramm aus Sicht der Bundesbank überflüssig und mit deutlichen Risiken behaftet.

Ausgehend davon erläuterte der Referent das geldpolitische Instrumentarium der EZB, dessen Kern die Zinspolitik bildet, erklärte die Wirkungsweise eines sinkenden Hauptrefinanzierungssatzes auf realwirtschaftliche Größen wie Wirtschaftswachstum oder Preise und betonte dabei auch, dass ein zinspolitischer Schritt erst mit einer Verzögerung von mindestens einem halben Jahr in der Realwirtschaft ankomme. Dabei betonte der Referent, dass ein Ausstieg aus der derzeit sehr expansiven Geldpolitik frühestens 2019 erwartet werden kann. Die EZB hat im Rahmen des „forward guidance“ zugesagt, dass die Wende der Geldpolitik in kleinen Schritten erfolgen und langfristig kommuniziert werden wird. Derzeit deuten die Vorzeichen nicht auf eine baldige Wende hin.

Herr Pfaffel verstand es hervorragend, immer wieder auf andere Politikfelder einzugehen, die Schülerinnen und Schüler miteinzubinden und die nicht immer einfachen Zusammenhänge zu veranschaulichen. Am Ende richtete er den eindringlichen Appell an die Schülerinnen und Schüler, sich noch mehr für ökonomische Zusammenhänge zu interessieren, da viele Entscheidungen aus dem Bereich der Geld- und Wirtschaftspolitik uns auf den ersten Blick nicht betreffen, jedoch mittelbar sehr starke Auswirkungen in unserem ganz persönlichen Umfeld haben. Sämtliche Kursteilnehmer gingen jedenfalls mit dem Gefühl aus der Aula, bei diesem Vortrag nicht nur etwas für Unterricht und Abitur, sondern vor allem für das Leben gelernt zu haben.