Theaterklasse 7 spielt das Jugendstück „Reich und Schön“

„Du bist nicht reich, du bist nicht schön – was willst Du hier“ skandieren die jugendlichen Schauspieler zuerst leise und dann immer lauter werdend, bevor ein junges Mädchen, genannt „X“ (Veronika Haller), in den Tod springen will. Ein betulicher Engel (Nelly Krivic) will sie davon abhalten, der zynische Teufel hingegen (Luisa Sturm) dazu ermuntern. Diese kleinen Szenen des Trios ziehen sich wie ein roter Faden durch das Szenario der ganzen Handlung. In den Spielszenen, die sich um den stark satirisch überspitzten Schulalltag drehen, stellt die Theaterklasse 7 den Leistungsdruck, den Frust, den Schönheitswahn, die Herabsetzung und die Einsamkeit von Jugendlichen dar.

Mit großem Einfühlungsvermögen und viel Elan schlüpften die Schüler in ihre Rollen und hatten sichtlich ihre Freude daran, auf der Bühne zu spielen. Den Zuschauern begegneten an diesem Abend die verschiedensten Charaktere, wie es sie wohl an jeder Schule gibt: dem sportlichen Fußballer (Fabian Eigenstetter), dem reichen Ferdinand ohne Freunde (Tobias Dietrich), der klugen, aber immer traurigen Sophia (Anna Dachs), der selbstbewussten und verantwortungsvollen Chantal (Miriam Frisch), der Übergewichtigen (Annika Arnold), der Gleichgültigen (Julia Lackerbauer), der „Neuen“ (Zoe Mißlinger), den Zicken (Lea Baltes, Ruth Kastner, Anastasia Dadik) und dem Mobbingopfer Rita (Anne Meierhofer). Außerdem üben die unfähigen Lehrer (Clara Mühlbauer, Miriam Gruszka) sowie die Fotografin (Vanessa Paulus) weiteren Druck auf die Schüler aus, anstatt sie bei ihren Problemen zu unterstützen. Als Verkäuferin war Anica Heller zu sehen.

Teils ironisch, teils tragikomisch, oft aber auf schockierende Weise wurde dabei gezeigt, dass der alltägliche Kampf um Anerkennung und Geltung Jugendliche zerstören kann. Besonders erschütternd wurden die Auswirkungen des Cybermobbings deutlich, als ein Deutschkurs der 11. Klassen als Chor einen Text vortrug, der aus authentischen Textfetzen von Mobbern und Gemobbten zusammengesetzt war. Bei diesem dokumentarischen Teil des Stückes wurde deutlich, welche fatalen Folgen Mobbing und Cybermobbing bei Jugendlichen tatsächlich haben kann. So bildet sich in der Schulklasse auf der Bühne eine Dynamik heraus, die nicht nur X in den Selbstmord treibt, sondern auch alle Jugendlichen Opfer werden lässt. Schließlich springen sie am Schluss alle in den Abgrund. Doch in einer Abwandlung des Brechtschen Epilogs aus „Der gute Mensch von Sezuan“: „Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluß! / Es muß ein Guter da sein, muß, muß, muß!“ erhebt sich lauter Protest aus dem Publikum, das für sein Geld ein Happy End verlangt. Und so beginnt die Schlussszene noch einmal von vorn, diesmal unter der Regie des Engels, und zeigt, wie es anders sein könnte – mit einer Freundlichkeit, die aus der Selbsterkenntnis erwächst. Gekonnt wurde von der Theatergruppe unter der Leitung von Beate Amberger gezeigt, wo Cliquenbildung aufhört und Ausgrenzung einzelner beginnt. 

Mit einem begeisterten Schlussapplaus des Publikums, der auch den Licht- und Tontechnikern galt, endete das abwechslungsreiche Schauspiel, das bei manch einem Zuschauer vielleicht auch etwas Unbehagen hinterließ: „Was wäre, wenn auch mein Kind davon betroffen sein könnte?“

Beate Amberger