Die 8. Jahrgangsstufe des Robert-Schuman-Gymnasiums besuchte die Frauenarztpraxis Erhardt-Fleischmann-Steinl

Wann sollte ein Mädchen das erste Mal zum Frauenarzt? Und wie läuft so eine Untersuchung eigentlich ab? Worauf ist beim Einsatz von Kondomen zu achten? Auf diese und viele weitere Fragen bekamen am Mittwoch die Schülerinnen und Schüler vom Robert-Schuman-Gymnasium in der Gemeinschaftspraxis Erhardt, Fleischmann und Steinl eine Antwort. Den ganzen Vormittag über kümmerten sich die Gynäkologen einzig und allein um die Anliegen der Schülerinnen und Schüler der 8. Jahrgangsstufe. Mit gemischten Gefühlen starteten die Teenager die Führung durch die Untersuchungszimmer. Angesichts der heiklen Thematik war bei vielen die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Kein Kichern oder Schwätzen, nur distanziertes Schweigen. Nach der Einteilung der Klassen in Jungen und Mädchen baute sich zusätzlich eine angespannte Atmosphäre auf. Etliche Burschen fragen sich sogar, was sie hier zu suchen hätten. „Auf den ersten Blick seid ihr bei uns wirklich fehl am Platz. Für euch gibt es einen eigenen Spezialisten“, pflichtete ihnen zunächst auch Maria Erhardt bei. Aus ihrer Sicht gibt es aber trotzdem viele Fragen zu den Themen Verhütung und Schwangerschaft, die sowohl die Frau als auch den Mann betreffen. Für viele Mädchen sei der erste Besuch beim Gynäkologen durchaus mit einer gewissen Unsicherheit verbunden. Wenn sich Jungen durch solche Veranstaltungen vor Ort informieren, können sie Hemmungen bei ihren Partnerinnen abbauen oder offener mit ihnen darüber sprechen. Anschließend erläuterte die Medizinerin den jungen Gästen dann den Ablauf einer gynäkologischen Untersuchung näher. Mit viel Fingerspitzengefühl nahm sie ihnen die Ängste und räumte mit falschen Gerüchten über den ersten Besuch beim Frauenarzt auf. Ohne große Überredungskünste nahm auch später sogar ein Mädchen auf dem gynäkologischen Stuhl Platz – natürlich bekleidet. „Und?“, fragte der Ärztin. „Eigentlich nicht schlimm“, meinte die 14-Jährige. Ab diesem Zeitpunkt war das Eis endgültig gebrochen. Die Jugendlichen wurden zutraulicher, die Fragen intimer. In der Gesprächsrunde erklärte Erhardt dann den Sinn und Zweck einer Spekulum-Untersuchung, die mit dem sogenannten „Entenschnabel“ durchgeführt wird. Schneller als anfangs gedacht, waren die für diese Station vorgesehenen 15 Minuten auch schon wieder vorbei und eine Mitarbeiterin schickte die Gruppe zu Dr. Mechthild Schwack weiter. Sie gab den Jungen und Mädchen einen detaillierten Überblick über die wichtigsten Geschlechtskrankheiten. AIDS, Feigwarzen, Syphilis, Herpes genitalis und Chlamydien stellen beim ungeschützten Geschlechtsverkehr die größte Gefahr dar. Kondome bieten den zuverlässigsten und sichersten Schutz vor einer Ansteckung. Alexander Pöschl und Elke Amberger von der Apotheke am Stadtpark erklärten daher im dritten Abschnitt den richtigen Umgang mit den Präservativen. „Übung macht den Meister“, lautete Pöschls Devise. Daher durften die Jugendlichen an einem Penis-Modell das vorher Besprochene umgehend in die Tat umsetzen – inklusive Dehnungstest. Während die Schüler eifrig mit dem Überrollen beschäftigt waren, gaben die beiden Referenten noch wichtige Tipps zur Lagerung der Gummis. „Kondome vertragen keine Hitze“, betonten sie. Eine Aufbewahrung in der Geldbörse oder im Handschuhfach eines Autos sei deswegen tunlichst zu vermeiden. Frauen mit spitzen Fingernägeln sollten überdies bei der Handhabung vorsichtig sein. Zu den am häufigsten verwendeten Verhütungsmitteln zählt nach wie vor die Pille. Bei den Mädchen stieß daher der abschließende Dialog mit Dr. Silvia Fleischmann auf besonders großes Interesse. „Die Pille ist ein hormonelles Verhütungsmittel, das in wichtige Prozesse im Körper der Anwenderin eingreift. Daher ist es wichtig, genau über die Pille Bescheid zu wissen und vor allem erst einmal abzuklären, ob man sie überhaupt verträgt“, erklärte ihnen die Ärztin. Aus diesem Grund darf das Präparat auch nur vom Gynäkologen verschrieben werden und ist nur mit einem entsprechenden Rezept erhältlich. Bei den vielen interessanten Vorträgen verging der Aufenthalt in der Praxis wie im Flug. Biologielehrerin Simone Meier-Hauser dankte am Ende des Rundgangs allen beteiligten Ärzten und Helfern im Namen der Jugendlichen für die fachkundigen Informationen. „Die Botschaften sind angekommen“, lautete ihr Fazit. (Gregor Raab)