Fachprofil

Wirtschafts- und Rechtslehre am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Gymnasium mit wirtschaftswissenschaftlicher Ausrichtung

 Das Fach wird in den Jahrgangsstufen 8, 9 und 10 jeweils 2 Wochenstunden unterrichtet, wobei in der 10. Jahrgangsstufe noch 2 Wochenstunden für die Profilbildung hinzukommen.

Ausgehend von der Erfahrungswelt der Schüler stehen in der Jahrgangsstufe 8 des Gymnasiums mit wirtschaftswissenschaftlicher Ausrichtung wirtschaftliche bzw. rechtliche Problemstellungen in privaten Haushalten und Unternehmen im Vordergrund.

In einem ersten Teilbereich wird den Schülern bewusst, dass ihre Entscheidungen für sie selbst und für andere wirtschaftlich von Bedeutung sind. Sie beschaffen sich selbstständig Informationen, werten diese aus und simulieren auf dieser Basis begründete ökonomische Entscheidungen, ggf. unter Einsatz moderner Informationstechnologien. Dabei lernen sie, reflektierte und verantwortungsvolle Entscheidungen beim Konsum sowie beim Umgang mit Geld zu treffen. Im Rahmen einfacher Fallstudien gewinnen sie einen Einblick in Geldanlageentscheidungen, Möglichkeiten der Kreditaufnahme und –sicherung sowie den Ursachen und Risiken der Verschuldung privater Haushalte. Sie erstellen Graphiken z.B. zum Konsumverhalten, werten diese aus und werden mit den Informationsmöglichkeiten anhand moderner Informationstechnologien vertraut. Auch die Problematik der Beeinflussung durch Werbung und die Verkaufspsychologie wird thematisiert.

Ein zweiter Bereich befasst sich mit dem rechtlichen Verhalten privater Haushalte. Bei der Auseinandersetzung mit ihren rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten als Verbraucher und Minderjährige erkennen sie die Funktionen des Rechts und entwickeln ein Bewusstsein für die Rechte und Pflichten des Einzelnen (z.B. Kaufvertrag, Stellung des Minderjährigen, Sachmangel).

Im dritten Bereich dreht sich alles um wirtschaftliches und rechtliches Handeln aus der den Schülern meist noch wenig vertrauten Perspektive des Unternehmens. Dabei können sie jedoch auf bekannte Inhalte zurückgreifen und daran anknüpfen. Wichtige Inhalte sind dabei die Gründung eines Unternehmens an einem Beispiel, die Wahl des richtigen Standorts oder der Rechtsform. Daneben werden typische Geschäftsprozesse im Unternehmen, wie Beschaffung, Produktion, Arbeitsteilung und Marketing thematisiert. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit Unternehmen und Institutionen aus der Region, wobei die Ergebnisse mit Hilfe eines Präsentationsprogramms dargestellt werden sollen.

 

In der 9. Jahrgangsstufe weitet sich der Blick von der bisher einzelwirtschaftlich ausgerichteten Perspektive auf gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge in Deutschland, in Europa und in der Welt.

An den Anfang ist jedoch ein Projekt gestellt, das sich mit Fragen der Berufswahl auseinandersetzt, da mit dem Abschluss der Jahrgangsstufe 9 erstmals die Möglichkeit besteht, ins Berufsleben einzutreten. In möglichst engem Kontakt zur beruflichen Praxis (z.B. Expertenbefragung, Praktikum) erkunden die Schüler verschiedene Berufsbilder und üben Techniken der Bewerbung sowie der Präsentation. Den Jugendlichen soll dabei bewusst werden, dass die richtige Ausbildungs-, Studien- und Berufswahl und die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung ihrer Persönlichkeit und die Gestaltung der Zukunft sind.

In einem zweiten Bereich werden die wirtschaftlichen Aktivitäten von Haushalten und Unternehmen in gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge eingeordnet. Die Schüler erkennen dabei die zentrale Bedeutung des Marktmodells (Preisbildung durch Angebot und Nachfrage) und wenden es auf aktuelle Problemstellungen an (z.B. Börse als Beispiel eines vollkommenen Marktes). Die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Haushalt und Unternehmen stehen dabei ebenso im Vordergrund wie die Begriffen Strukturwandel oder Bruttoinlandsprodukt bzw. Wirtschaftswachstum.

Der dritte Bereich befasst sich mit zentralen Aspekten der Wirtschafts- und Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland. Die Soziale Marktwirtschaft steht im Mittelpunkt, ergänzt durch den Handlungsrahmen des Öffentlichen Rechts. Dabei wird das Strafrecht exemplarisch herausgegriffen.

Den Abschluss bilden internationale Wirtschaftsbeziehungen, wobei die Jugendlichen an Beispielen aus ihrem persönlichen Erfahrungsbereich Gründe und Voraussetzungen für die internationale Arbeitsteilung und den Außenhandel erarbeiten (z.B. Deutschland als Exportweltmeister). Die Schüler sollen sich sowohl der Chancen des europäischen Binnenmarktes und der weltwirtschaftlichen Verflechtungen (Globalisierung) bewusst werden als auch deren Risiken realistisch beurteilen können.

 

In der 10. Jahrgangsstufe steht der Standort Deutschland im globalen Wirtschaftsgeschehen im Vordergrund. In einem ersten Teilbereich wird der Standort aus der Sicht der privaten Haushalte näher betrachtet. Dies geschieht durch ausgewählte Messgrößen zur Charakterisierung des Arbeitsmarktes, der Kaufkraft und Preisentwicklung sowie des Einkommens und der Einkommensverteilung. Die Schüler gewinnen einen Überblick über das System der sozialen Sicherung in der Bundesrepublik, dessen Probleme sowie ausgewählte Lösungsansätze. Die Schüler lernen die Einkommenssteuer als Steuerart kennen, die erheblichen Einfluss auf das verfügbare Einkommen hat und erhalten Einblick in die Lösungsstruktur einfacher Steuerfälle. Im Vergleich mit den Einkommenssteuertarifen anderer Länder werden die Gegebenheiten in Deutschland analysiert.

In einem zweiten Teilbereich wird der Standort Deutschland aus der Sicht der Unternehmen beleuchtet, wobei hier der internationale Vergleich eine zentrale Rolle einnimmt (z.B. bei den Arbeitskosten oder der Qualifikation der Arbeitnehmer)

Der dritte Bereich greift die Problematik der Umweltschädigung und –zerstörung auf. Den Schülern soll dabei vermittelt werden, dass Umwelt und Wirtschaft sich gegenseitig bedingen. Das Konzept der Nachhaltigkeit steht dabei im Mittelpunkt.

Darüber hinaus stehen in der 10. Jahrgangsstufe 2 Unterrichtsstunden für die Schärfung des wirtschaftswissenschaftlichen Profils zur Verfügung. Dabei werden wirtschaftliche Themen vertieft und erweitert (z.B. Mitbestimmung und Tarifpartner, Wettbewerb und Unternehmenskonzentration sowie Finanzplatz Deutschland).

 

Mit seinem Praxisbezug hat das Fach eine Schlüsselstellung im Kontakt der Schule zur Wirtschafts- und Arbeitswelt. Dabei erhalten die Schüler durch Betriebserkundungen, Expertenreferate oder Gerichtsbesuche Einblicke in die Realität. Als simulierte Wirklichkeit haben Planspiele („Planspiel Börse“, „Pol&Is“, „General Management“) und Fallstudien im Unterricht einen hohen Stellenwert.

 

Der zielgerichtete und effektive Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologie erfolgt bei einer Vielzahl von Themen. Es kommen moderne Unterrichtsmethoden zum Einsatz, die ein hohes Maß an Schülermotivation und –aktivität genauso wie einen hohen Anteil an selbstständigem Lernen garantieren. Dabei wird großer Wert auf die Vermittlung von sozialer Kompetenz, wie z.B. Teamfähigkeit und –arbeit gelegt.