Austausch 2014

Vom Regen an die Drôme


Achtklässler des RSG auf Schüleraustausch in der Region Rhône-Alpes


Fünf Jahre Austausch mit Livron


Ein kleines Jubiläum konnte beim diesjährigen Frankreich-Austausch des Robert-Schuman-Gymnasiums mit dem Collège Anne Cartier begangen werden. Der im Jahr 2010 erstmals durchgeführte Austausch jährte sich heuer zum fünften Mal. Damals hatten 17 deutsche Schüler daran teilgenommen. Und als diesmal die französischen Gäste am letzten Schultag vor den Osterferien abreisten, wurden sie von 37 deutschen Gastfamilien verabschiedet.
Jeweils neun Tage hatten die Deutschen und die Franzosen bei ihren Austauschpartnern verbracht. Livron-sur-Drôme, der Austauschort in Südostfrankreich, ist ein kleines Städtchen von knapp 9000 Einwohnern und damit etwa halb so groß wie Cham. Livron liegt im Département Drôme, das zur Region Rhône-Alpes gehört. Der wegen seines blaugrünen Gebirgswassers sehr hübsche Fluss Drôme ergießt sich von Osten her in die breit dahin strömende Rhône.


Die Chamer Schüler und Lehrer am Fluss Drôme bei Livron


Alltag im Gastland


Nach Frankreich begleitet wurden die Schüler aus dem Landkreis Cham von den Lehrkräften Gabriele Stoiber, Susanne Öttl und Berno Secknus. Die Aufnahme vor Ort war wie immer herzlich und so fanden sich die Chamer rasch im Schulleben des Collège zurecht. Sie stellten fest, dass die französischen Schüler fast täglich bis halb Fünf Nachmittagsunterricht haben und dass eine normale Unterrichtsstunde dort 55 Minuten dauert. Mehrmals besuchten sie an verschiedenen Tagen in kleinen Gruppen auch den französischen Unterricht. Auch in der Mensa der Schule lernten sie die französische Lebensart kennen, denn es wurde zumeist in mehreren Gängen gespeist. Der Alltag bei den Gastfamilien, bei dem die Deutschen sich in der Fremdsprache verständigen mussten, trug maßgeblich dazu bei, dass jeder Teilnehmer sprachliche Fortschritte machte.


Beeindruckende Landschaft


Auch wenn die Landschaft an der Drôme bisweilen Ähnlichkeiten mit dem Chamer Land und dem Bayerwald aufweist, so ist sie doch monumentaler. Etwa 20 Kilometer nordöstlich ragt das gewaltige Gebirgsmassiv des Naturparks Vercors auf, das zum Teil weit über 2000 Meter hoch ist. Und den Wind namens Mistral, der manchmal durchs Rhônetal bläst, haben die Chamer Schüler ebenfalls kennengelernt. Dagegen wirkt der Chamer „Böhmische“ fast schon zahm. Insgesamt aber war der Frühling in der Region zwischen den Alpen und der Provence die ideale Witterung für die Ausflüge, die auf dem Programm standen.
Traditionell führt eine beeindruckende Exkursion nach Norden in den „Parc Naturel Régional du Vercors“. Hier stattete die RSG-Gruppe unter anderem der größten Tropfsteinhöhle Europas in Choranche einen Besuch ab. Unmittelbar vor Ankunft bei der Höhle wurde die RSG-Gruppe von kurzfristig einsetzendem Schneefall überrascht. Die Bergregion des Vercors war übrigens eine Hochburg des Widerstands (Résistance) gegen die deutsche Besatzungsmacht im zweiten Weltkrieg.


In der größten Tropfsteinhöhle Europas in Choranche


Politik und Kultur


Einen sehr herzlichen Empfang im Rathaus von Livron - mitten im Wahlkampf - durfte die Chamer Delegation erleben. Alle waren sich dessen bewußt, dass sie im Ausland auch stets Botschafter ihrer Heimat sind. Und wer politisch interessiert war, konnte vor Ort in den Nachrichten die französischen Kommunalwahlen mitverfolgen. Das Ergebnis brachte deutliche Einbußen für den regierenden Parti Socialiste von François Hollande und Zugewinne für den Front National von Marine Le Pen. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieser Trend auch bei der Europwahl am 25. Mai widerspiegelt.
Weitere Touren waren zuvor Richtung Süden gegangen. Nur etwa 20 Kilometer entfernt von Livron liegt Montélimar. Die Stadt an der Rhône ist berühmt für ihren Nougat. Welche große Sortenvielfalt der Nougat zu bieten hat, konnten die Besucher aus der Oberpfalz bei der Besichtigung einer Nougatproduktion erfahren. Sie durften auch mal einen Blick in die laufenden Maschinen werfen. Trotzdem ist die Produktion größtenteils noch Handarbeit, wobei je nach Rezept provenzalischer Lavendelhonig, Eiweiß und Mandeln bzw. Nüsse verwendet werden.


Topfgucker bei der Nougatproduktion in Montelimar
Eine Stunde Busfahrt weiter südlich durften die RSG-Schüler, allesamt des Lateinischen mächtig, den berühmten Pont du Gard aus der Römerzeit bewundern. Es handelt sich dabei um einen Aquädukt von 49 Metern Höhe, der seit dem 1. Jh. n. Chr. bis hinein ins Mittelalter Wasser nach Nîmes transportierte. Im dazugehörigen Museumsgebäude konnte man sogar eine Filmanimation vom Bau dieses Monuments anschauen.


Die deutschen und französischen Schüler vor dem „Pont du Gard“
Ein weiterer Höhepunkt der Reise war die Großstadt Avignon mit ihrer historischen Stadtmauer. Avignon wurde im 14. Jahrhundert Zufluchtsort der Päpste, deren Stadt es 70 Jahre lang war. Den aus dieser Zeit stammenden Papstpalast mit seinen Empfangssälen, Kapellen und Schatzkammern erkundete die RSG-Gruppe im Rahmen einer Besichtigung. Ein Spaziergang im Zentrum bei Frühlingstemperaturen bot Gelegenheit zum Kauf von Geschenken und Andenken.
Einen herzlichen Abschied bereiteten die Franzosen ihren Gästen am letzten Abend in der Schule.
von Berno Secknus