Während in den Hallen des Robert-Schuman-Gymnasiums in Cham die Studien- und Berufsinformationsmesse academicus LIVE für die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe stattfand, gingen die Unter- und Mittelstufler auf vielfältigste Entdeckungstour. Die Schulfamilie hatte nämlich einen „Tag der Museen“ organisiert, an dem die Schülerinnen und Schüler die Museen und außerschulischen Lernorte des näheren und ferneren Umlandes kennenlernen sollten.

So besuchten die fünften Klassen das tiefste und heißeste Loch der Erde, das sich nur rund anderthalb Fahrstunden von Cham entfernt in Windischeschenbach befindet. Hier wurde bei der KTB (Kontinentalen Tiefenbohrung) über neun Kilometer nahezu senkrecht in die Tiefe gebohrt, um Gesteine entlang der sogenannten Fränkischen Linie zu untersuchen, der Zone, an der sich die Platten des Moldanubikums und des Saxothuringikums übereinander geschoben haben. Dabei durften die Schülerinnen und Schüler auch selbstgefundene Gesteine im Labor untersuchen und auf dem Simulator ein Erdbeben der Stärke 7,4 gefahrlos miterleben.

Tiefe Einblicke in die Erde und die Welt der Steine bei der KTB

Die sechsten Klassen machten sich mit ihren Lehrern auf den Weg nach Straubing ins Gäubodenmuseum, welches sich als Sammelstelle für die Archäologie des Gäubodens versteht.  Hier erkundeten die Kinder sowohl vor- und frühgeschichtliche Funde als auch den berühmten Römerschatz. Nach einer sehr interessanten und altersgerechten Führung durften die Schumanisten auf eigene Faust das Museum erkunden, wobei sie auf Arbeitsblättern verschiedene Fragen zu den Ausstellungen bearbeiteten. Für die begleitenden Lehrer war es schön zu sehen, mit welchem Eifer sie durch die Ausstellungsräume flitzten, um die Antworten zu finden.

Sehr beeindruckend war auch der Besuch in der Scherbenwäscherei, wo sie dem Restaurator über die Schulter schauten. Es schien ein schier unmögliches Unterfangen, die Unzahl an Scherben zu einer Tonschale zusammenzufügen – ein Restaurator braucht viel Fingerspitzengefühl und vor allem Geduld! Abschließend durften die Schumanisten noch ein steinzeitliches Feuer entfachen – natürlich ganz ohne Streichholz und Feuerzeug!

In der Scherbenwäscherei – ein Puzzle für Erwachsene?

Die meisten Siebtklässler waren zu Gast im Bayerwald X-perium in St. Englmar, dessen Gründer Wolfgang Six für das innovative Konzept 2016 den Bayerischen Gründerpreis erhalten hatte. Das Bayerwald X-perium hat sich einen dem chinesischen Philosophen Konfuzius zugeschriebenen Ausspruch auf die Fahnen geschrieben: „Erzähle es mir und ich werde es vergessen, zeige es mir und ich werde mich erinnern, lass es mich tun und ich werde es verstehen." Gemäß diesem Motto konnten die Schumanisten an über 100 Experimentierstationen Naturwissenschaft mit allen Sinnen kennen und durch eigenes Ausprobieren verstehen lernen. Unter fachkundiger Führung tauchten sie ein in die faszinierende Welt naturwissenschaftlicher und technischer Phänomene. So erforschten sie gemeinsam die Zusammenhänge von Wellen und Schwingungen, rätselten um die Form der schnellsten Rollbahn, erfuhren beim Bau einer Leonardo-Brücke den Einfluss der Form auf die Stabilität von Brücken und ließen sich in eine riesige Seifenblase einschließen. Der kurzweilige Vormittag war viel zu schnell vorbei.

Einfach begeisternde naturwissenschaftliche Experimente

Die Klasse 7d hingegen erkundete im Rahmen einer interaktiven Cultheca-Führung unter der Anleitung der Historikerin Sabrina Hartl die Mittelalter-Abteilung des Historischen Museums in Regensburg. Dabei wurden gruppenweise die Verteidigung einer mittelalterlichen Stadt, die Handelsbeziehungen Regensburgs, das neben Köln zweitwichtigste Handelsstadt seiner Zeit war, Handwerk und Zunftwesen erforscht und selbsttätig vorgestellt. Auch das Innenleben und die Hygiene einer Stadt und das vermeintlich medizinische Wirken der als Handwerker eingestuften "chirurgi" wurden thematisiert. Die Schülerinnen und Schüler staunten, was alles nicht im Geschichtsbuch steht, und sahen alle Waffen der im Deutschunterricht gelesenen Nibelungensage. Die Schumanisten staunten, als sie sahen, dass es im mittelalterlichen Regensburg nur zwei Ärzte und drei Barbiere, aber viele Badstuben gab, dazu mehr Winzer als Brauer. Sie zogen die Nasen kraus anhand der fragwürdig abgegrenzten Latrinen … !

Auf Spurensuche im historischen Museum

Luftig wurde es für die Klassen 8a und 8b, die dem Luftmuseum in Amberg einen Besuch abstatteten. Aufgeteilt in vier Gruppen konnten sie neben einer Papierflieger-Falt-Maschine, die für 50ct drei Papierflieger schoss, einen fliegenden Teppich und eine Plastiktüten-Orgel bestaunen. Natürlich gab es noch viele weitere Ausstellungsstücke rund um das Thema Luft, die man in vielen Farben, Formen und Funktionen bestaunen konnte. Die Schüler sollten außerdem verschiedene Gerüche wahrnehmen und erraten – bei der Opium-Pflanze musste sich selbst Frau Dittrich geschlagen geben! Auch vor der Physik machte das Luftmuseum nicht halt: Luft dient als Isolator, was man an mehreren Exponaten bestaunen konnte. Manche Ausstellungsstücke konnte man selbst nach längerer Betrachtung nicht ganz verstehen, doch wurden alle Fragen durch die begleitende Kunstlehrerin fachgerecht auf der Heimfahrt im Bus geklärt.

Unter der Luftdusche

Die Klasse 8c hatte sich auf den Weg nach München gemacht. Dort statteten die Schumanisten zunächst dem altehrwürdigen Deutschen Museum einen Besuch ab, um unter anderem die bekannte Blitzvorführung zu bestaunen. Nach einer Einführung in den Münchner Sternenhimmel im Planetarium des Museums ging es dann noch direkt auf den Marienplatz, wo die Schülerinnen und Schüler in den Trubel und Shoppingangebot der Großstadt eintauchen durften, bevor es zurück nach Cham ging.

Über den Dächern von München

Die Neuntklässler wandten sich einem Gedenkort für die Opfer des Nationalsozialismus zu und besuchten das KZ Flossenbürg. Hier hatten mehr als 30.000 Inhaftierte aus über 30 Ländern bei Hunger, Kälte und qualvoller Schinderei in den Steinbrüchen den Tod gefunden.

Die Schülerinnen und Schüler bekamen auf dem Areal des zur Gedenkstätte ausgebauten Lagerkomplexes einen Eindruck von den unsagbaren Qualen, die die Menschen hier zu erdulden hatten. Konzipiert als Arbeitslager, diente das KZ mit seinen über 90 Außenlagern der „Vernichtung durch Arbeit“, ein zynisches Schlagwort, mit dem die Nationalsozialisten die wirtschaftliche Ausbeutung billigster Arbeitskräfte mit der physischen Vernichtung politischer Gegner und gesellschaftlicher Außenseiter kombinierten.

Die modern ausgestattete Ausstellung gibt aber nicht nur bekannten Opfern wie Admiral Wilhelm Canaris oder dem Theologen Dietrich Bonhoeffer ein Gesicht, sondern zeigt anhand vieler bewegender Einzelschicksale die verzweifelte Lage der zahllosen Opfer. Die Schülerinnen und Schüler fühlten beim Gang über den Appellplatz, durch die Baracken und schließlich das „Tal des Todes“ die besondere Dramatik dieses Ortes und kamen so in unmittelbaren Kontakt mit der jüngsten Geschichte.

Auf der Spur der zahllosen Einzelschicksale im KZ Flossenbürg

So wurde der Tag vielseitig, interessant und lehrreich verbracht. Es bleibt zu hoffen, dass der „Tag der Museen“ zu einer festen Institution  am RSG wird, durch die altersgerecht und zugleich pädagogisch wertvoll der Unterrichtsalltag aufgelockert wird.