In diesem Jahr hat sich die Theatergruppe des Robert-Schuman-Gymnasiums in Cham unter der Regie von StR Wolfram Steininger an die Inszenierung des 1971 erschienenen Werkes „Krabat“ aus der Feder des berühmten Jugendbuchautors Otfried Preußler gewagt, das auf sorbischen Volkssagen basiert. 

Seltsame Dinge geschehen im Koselbruch. In der Zeit des Großen Nordischen Krieges wird der Betteljunge Krabat (Kilian Meierhofer, Q 11) von Raben im Traum zu einer Mühle geführt, wo ihn der geheimnisvolle Müllermeister (Anton Bauer, Q 11) als Lehrjungen aufnimmt. Nach und nach stellt sich heraus, dass der Müller kein ehrbarer Handwerker ist, sondern vielmehr ein Meister der Schwarzen Magie, die er auch die bei ihm arbeitenden Jungen (Andrusch: Selina Maier, Q 11; Staschko: Veronika Meindl, 9b; Petar: Sandro Rampf, 10a; Michal: Chaitanya Joshi, 8c; Merten: Celine Lankes, Q 11; Hanzo: Anna-Caroline Schnurer, 10a; Kito: Dorothea Bucher, Q 11)  lehrt, soweit diese dazu in der Lage sind.

Geschickt zeigte die Bühnenaufführung der Schumanisten die Vielschichtigkeit der Vorlage, die zum einen zwischen der lichten Hoffnung nach einem sorgenfreien, ja sogar machtvollen Leben und der beklemmenden Gefahr des stets drohenden Verderbens oszilliert:

Der Betteljunge Krabat findet in der Mühle ein neues Zuhause, er findet in der neuen Gemeinschaft Halt und er darf sogar zusammen mit den anderen Jungen erleben, dass er mithilfe der Unterweisungen in der Zauberkunst Macht über andere Menschen ausüben kann. Alles wunderbar? Keineswegs, denn das Idyll hat auch schreckliche Schattenseiten, die Krabat aber erst nach und nach herausfindet.

Seltene Solidarität – Krabat findet Hilfe beim Altgesellen Tonda

Er hatte sich mit dem Altgesellen Tonda (Felicitas Roider, 10b) angefreundet und diesem nachgeeifert. Doch Tonda kommt am Ende des ersten Jahres auf mysteriöse Weise ums Leben, doch ist schnell Ersatz gefunden, als mit Lobosch (Leonie Rötzer, 10b) ein neuer Lehrjunge dessen Platz einnimmt. Allmählich erkennt Krabat das grausame Spiel, in das er geraten ist: Der Meister hat sich dem Bösen verschrieben und muss jedes Jahr dem Gevatter (gespielt von Isabell Bauer, 9d, und Felicitas Roider, 10b) einen seiner Schüler opfern oder selbst sterben. Er wählt dazu natürlich stets seinen begabtesten Schüler aus, bevor dieser ihm ebenbürtig werden und seine Stellung und damit sein Leben gefährden kann.

Krabat erkennt nun die Gefahr und die engen Zwänge, in denen er und die anderen Jungen gefangen sind. Flucht vor dem zauberkundigen Meister ist zwecklos, das Wort des Meisters ist Gesetz.

Ich bin der Meister – Anton Bauer brilliert als dominanter Herrscher der
Mühle und zwingt Krabat und Juro auf die Knie!

Zudem verliebt sich der junge Mann in Kantorka (Isabell Bauer, 9d), ein Mädchen aus dem nächsten Dorf, und trifft sich einige Male mit ihr, was dem Meister aber – durch die Einflüsterungen des Denunzianten Lyschko (Magdalena Merkler, 10b) – nicht verborgen bleibt.

Juro (Hannah Baltes, 10b), der scheinbar Dümmste der Gesellen, steht auf Krabats Seite und lehrt ihn, wie er sich gegen den Meister, der keineswegs unbesiegbar ist, zur Wehr setzen kann. Auch offenbart er ihm schließlich den einzigen Weg zur Rettung: Der Meister kann nur besiegt werden, wenn ein Mädchen einen der Müllerburschen so sehr liebt, dass sie diesen in der Silvesternacht vom Meister freibittet. Dazu aber muss sie eine Probe des Meisters bestehen, die darin besteht, ihren Geliebten aus dem Schwarm der in Raben verwandelten Müllerburschen herauszufinden. Besteht sie die Probe, so muss der Meister sterben, scheitert sie, so sind der Geliebte und auch sie selbst des Todes.

Krabat ist in einem Dilemma: Soll er Kantorka dieser Lebensgefahr aussetzen, nur um sein eigenes Leben zu retten? Doch das mutige Mädchen trifft die Entscheidung aus freien Stücken – sie will ihren Geliebten befreien und ist bereit, für dieses Ziel ihr Leben zu wagen. Aus Liebe zu Kantorka lehnt Krabat sogar das Angebot des Meisters, als sein Nachfolger die Mühle zu leiten, ab. Auch auf den Vorschlag des Meisters, an seiner Stelle den hinterhältigen Lyschko dem Gevatter zu opfern, geht Krabat nicht ein. Der Entschluss des Meisters aber steht nun fest: Krabat stellt für ihn eine Gefahr dar und muss das nächste Opfer für den Gevatter sein.

Besteht Kantorka die Prüfung des Meisters?

In der Silvesternacht erscheint jedoch Kantorka, um den geliebten Krabat vom Meister zu fordern. Nachdem sie die Probe bestanden hat, sind Krabat und seine Leidensgenossen frei. Damit ist der Zauber gebannt, der Meister stirbt, die Mühle geht in Flammen auf, die Schwarze Magie ist verflogen. Ein neues, einfaches Leben steht den Jungen bevor, doch müssen sie es sich selbst suchen. Ein Happy-Ending? Nicht für alle – Lyschkos Worte beschließen das Stück: „Von mir aus hättest du alles lassen können, wie es war.“

Krabat ist ein düsteres, ernsthaftes Stück, das – wie der Volksschullehrer Preußler selbst sagte – eine Parabel auf das Leben der deutschen Kriegsgeneration sein soll: „Mein Krabat ist […] meine Geschichte, die Geschichte meiner Generation und die aller jungen Leute, die mit der Macht und ihren Verlockungen in Berührung kommen und sich darin verstricken.“

Doch erschöpft sich die Aussage des Stückes nicht in einem Plädoyer gegen jede Form des Totalitarismus, sondern tritt auch für die menschlichen Werte unserer Gesellschaft ein – für Freiheit, Solidarität und natürlich die Liebe!

Die Theatergruppe des RSG bescherte der Schulfamilie durch das gekonnte tiefsinnige Spiel einen magischen Sommerabend. Der Intention des Stückes entsprechend entführten die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler das Publikum in der randvoll gefüllten Sporthalle des RSG in eine bizarre Welt zwischen dem herzhaften Lachen bei den heiteren Szenen und der bedeutungsschweren Spannung der im Stück aufgeworfenen existenziellen Fragestellungen. Dabei zog die Gruppe alle Register der Bühnenkunst und – nicht zuletzt dank des versierten Technikteams (Yannick Semmelmann, 8b, und Maximilian Brunner, Peter Gerber, Luca Hug, Felix Kerschberger, alle Q 11) – die Möglichkeiten des selbst hergestellten, spektakulären Bühnenbildes im Verbund zu den Rückblenden via Videoeinspielung, die bereits im Winter gedreht und eigenständig bearbeitet worden war.

Verdienter Applaus der Schauspieler für Regisseur und Multitalent
Wolfram Steininger

So war Schulleiter Günter Habel zu Recht voll des Lobes hinsichtlich dieser grandios inszenierten und schauspielerisch exzellenten Schulaufführung und bedankte sich bei allen Mitwirkenden (auch bei Souffleuse Lea Baltes, 8b, und dem „Betteljungen“ Marlene Oswald, 10c) und Verantwortlichen persönlich mit einem kleinen Präsent. Sein ganz besonderer Dank galt Regisseur Wolfram Steininger für seine vielfältige und unermüdliche Arbeit für das Theater am RSG, die vom Kulissenbau bis hin zum geduldigen, annehmenden und herzlichen Umgang mit den Schülern reicht und mit der es ihm gelingt, die ihm anvertrauten Schauspieler zu fördern und zu begeistern. Diesem Dank an „Meister“ Steininger schlossen sich auch die Schülerinnen und Schüler der Theatergruppe an und lobten das außergewöhnliche Engagement ihres Lehrers.