Im Dezember 2017 konnten alle RSG-Schülerinnen und Schüler des 9. Jahrgangs mit ihren Religionslehrerinnen Michaela Hainz, Renate Jobst und Maria Brunner die Synagoge in Straubing besuchen. Frau Svetlana Zap, die aus der Ukraine stammt und von der jüdischen Gemeinde als Sozialpädagogin angestellt ist, zeigte den Stellenwert der Straubinger Synagoge auf, die für alle niederbayerischen Juden zuständig ist, bevor sie auf den geschichtlichen Hintergrund einging.  

Erste Juden waren schon im 12. Jahrhundert in Straubing laut dem Schuldenregister, das man bei Ausgrabungen fand. Diese wurden aber bei Pogromen wieder vertrieben. Ab 1811 konnten sich Juden wieder in Straubing niederlassen. Zwölf jüdische Familien, die zunächst in der Wohnung des Rabbiners Salomon Liebmann, dann in einem gemieteten Raum beteten, wurden als Mitglieder einer israelitischen Kultusgemeinde anerkannt. 1895 konnte ein Grundstück zum Bau einer Synagoge erworben werden, die dann 1907 gebaut und eröffnet wurde.

In der Reichspogromnacht 1938 wurde die Synagoge zwar geschändet, aber nicht zerstört. Fast alle verbliebenen jüdischen Mitbürger wurden deportiert und kamen in Vernichtungslager. 1945 konnte die Synagoge wieder genutzt werden und eine neue Gemeinde wurde gegründet, zu der dann ab 1993 viele Menschen aus den GUS-Staaten stießen, so dass die Gemeinde auf fast 1000 Mitglieder anwuchs.  

Man kann laut Zap die Straubinger Juden zu den orthodoxen Juden zählen, da sie gerne nach dieser Tradition leben, aber nicht so streng sind wie ultraorthodoxe Juden, bei denen Frauen die Schulter bedeckt halten müssen. Aber sie grenzen sich auch vom liberalen Judentum ab, da hier Frauen Rabbinerinnen werden dürfen. In der Straubinger Synagoge müssen sich Frauen jedoch nicht unbedingt beim Gottesdienst auf die Empore begeben, sondern können, da sie oft schon älter sind und ihnen das Treppensteigen Mühe macht, in den linken Bankreihen sitzen.

Frau Zap erklärte den Schülern den Ablauf des Sabbat-Gottesdienstes, der am Freitagabend nach Sonnenuntergang und am Samstagvormittag stattfindet: Nach dem Eingangsgebet werden sieben Männer, die den Tallit, den Gebetsmantel, umgelegt haben, zur Tora-Lesung aufgerufen; je zwei Personen stehen neben ihm. Die Torarolle befindet sich mit anderen Rollen im Toraschrein, den Frau Zap zur Demonstration auch öffnete. Da die Torarolle aus Pergament von koscheren Tieren besteht und fehlerfrei geschrieben sein muss, ist sie sehr wertvoll und darf nicht mit dem Finger berührt werden, sondern man bedient sich eines Torazeigers, dem Jad.

In der Synagoge finden auch die Beschneidung von acht Tage alten Jungen und die Heirat unter einem Baldachin statt. Die Ketuba, der Ehevertrag, verpflichtet den Mann so zu leben, dass die Frau zufrieden ist. Die Eheleute werden mit „Massel tov“, was „viel Glück“ heißt, beglückwünscht. Dieser Ausdruck wird auch beim Geburtstag und beim Bar Mizwa-Fest gebraucht.

Da das Chanukkafest bevorstand, erklärte Svetlana Zap vor allem die Bedeutung dieses Festes: Nach dem Talmud besiegten die Makkabäer die Griechen, die das Heilige Land besetzt hielten und im inneren Heiligtum des Tempels das dort vorhandene Öl entweiht und einen Zeusaltar aufgestellt hatten. Zur Neueinweihung des Tempels 165 v.Chr. fand man nur noch ein Krüglein mit Öl, um die Menora anzuzünden. Es reichte aber statt für einen Tag, für acht Tage, was als ein Wunder angesehen worden ist. Man brauchte nämlich acht Tage, um neues geweihtes Öl herzustellen. Ähnlich wie an Weihnachten bekommen die Kinder Geschenke, jeden von den acht Tagen, an denen am Chanukka-Leuchter je eine Kerze mehr angezündet werden.

Die interessierten Schülerinnen und Schüler stellten auch Fragen, auf die Frau Zap einging. So erfuhren sie, dass sich Frauen und Männer in Israel 20 Tage lang in öffentlichen Räumen treffen können, um die richtige Partnerwahl zu treffen. Scheidung ist im Judentum erlaubt, die Kinder bleiben bei der Mutter.

Am Ende des Synagogenbesuchs bedankte sich die Organisatorin Maria Brunner mit einem kleinen Geschenk für die Ausführungen.