Das Robert-Schuman-Gymnasium in Cham verneigt sich vor Max Altmann, der am Samstag, den 4. August 2018, im Alter von 77 Jahren verstorben ist.

Der gebürtige Lederdorner absolvierte nach dem Studium der Klassischen Philologie und Geschichte in Heidelberg und Erlangen das Referendariat in Würzburg, Weiden und Erlenbach. Mit der Zuweisung an das RSG 1969 gehörte er zur ersten Lehrergeneration der ein Jahr zuvor gegründeten Schule. Hier prägte er als langjähriger Fachbetreuer nicht nur viele Generationen von Schülern, sondern auch das Schulleben durch seinen pädagogischen Eros, sein Berufsethos und sein organisatorisches Talent.

Wer ihn als Lehrer kennengelernt hat, wird sich an unzählige Situationen im Unterricht, an prägende Erlebnisse bei Griechenlandfahrten oder an Römerfeste am RSG erinnern. Max Altmann bleibt der Schulfamilie in prägender Erinnerung: Ein Mann, der in vornehmer Weise Menschenfreundlichkeit und Würde verkörperte. Sein Wort hatte bei Schülern, Eltern und Lehrern Gewicht: So folgte ihm etwa das Kollegium in großer Zahl, wenn es galt, sich bei den „ludi Graeci et Latini“ auch mal zum Gegenstand des Spotts zu machen. Es ging Max Altmann um die Sache, weshalb er es verstand, von sich selbst abzusehen. Seine Autorität lag in seiner absoluten Glaubwürdigkeit, die auf wohlwollender Strenge, Gerechtigkeit und Konsequenz basierte. „Hast Du Deinen Wortschatz nicht gelernt?“ Diese schmallippig, leise und mit zusammengekniffenen Augen gestellte Frage gemahnte so manchen Schüler an seine Pflichten. Man wollte ihn einfach nicht enttäuschen. Ihn, der seine Fächer nicht bloß unterrichtete, sondern sie lebte. Er hatte nämlich die Gabe, allein durch seine fesselnde Art historische Ereignisse oder mythologische Gestalten zum Leben zu erwecken. Dabei hingen die Schüler an seinen Lippen und glaubten, mit Sokrates im Gefängnis zu sitzen oder mit Orpheus in die Unterwelt zu steigen, um die kürzlich verstorbene Gattin aus dem Schattenreich zurückzuholen.

Wenn wir auf das (Schul-)Leben des Altphilologen und Historikers Max Altmann zurückblicken, leuchten Reflexe der stoischen Philosophie auf. Der römische Denker Seneca formulierte, ein glückliches Leben zeichne sich dadurch aus, dass man sein Leben „conveniens naturae suae“ führe. Max Altmann lebte „in Übereinstimmung mit seinem natürlichen Wesen“. Was immer er sagte oder machte, war authentisch. Im Bild der Stoa tragen alle irdischen Wesen den kleinen Funken des göttlichen, alles durchwaltenden Urfeuers in sich. Mit dem Tod kehrt dieser Funke zurück zum Göttlichen und findet von dort aus eine neue Verkörperung im Kosmos. Dieser göttliche Funke, der Logos, geht im Universum nicht verloren, sondern ist Teil eines steten Kreislaufs.

Die Schulfamilie des RSG dankt Herrn Studiendirektor a. D. Max Altmann von Herzen dafür, dass er das Feuer der christlich-humanistischen Bildung in vielen Schülergenerationen entfacht hat. Sein Funke lebt weiter in all denen, die das Privileg hatten, von ihm unterrichtet zu werden oder mit ihm zusammenzuarbeiten.

Vale, care Max!

 

Berno Secknus und Wolfram Steininger